Die Lippenbremse ist eine einfache, hocheffektive Atemtechnik aus der Physiotherapie, die mir als sofortiges Werkzeug zur Selbst-Regulations dient. Sie hilft dabei, das Nervensystem bei aufkommendem Overload oder Panikgefühlen sanft herunterzufahren.
Warum sie für neurodivergente Menschen wirkt
In Stresssituationen neige ich oft zu flacher, schneller Atmung. Das signalisiert dem Gehirn: Gefahr! Die Lippenbremse nutzt den physikalischen Rückstau der Luft, um die Atemwege offen zu halten und den Ausatemstrom zu verlangsamen. Das aktiviert den Parasympathikus – den Teil des Nervensystems, der für Entspannung und Verdauung zuständig ist.
Die Anwendung: So geht’s entspannt
Die Vorbereitung erfolgt idealerweise in einer sicheren Situation, damit du die Technik im Notfall intuitiv abrufen kannst.
- Einatmen: Atme locker durch die Nase ein. Zähle dabei innerlich bis zwei.
- Lippen positionieren: Lege deine Lippen ganz locker aufeinander, als würdest du ein „Pfff“ formen oder ganz sanft gegen eine Kerzenflamme pusten wollen, ohne sie auszublasen.
- Ausatmen: Lass die Luft langsam und gleichmäßig durch die schmale Lücke deiner Lippen strömen. Der Widerstand sollte ganz sanft sein. Zähle dabei innerlich bis vier (oder länger).
- Wiederholung: Wiederhole dies für einige Atemzüge, bis du merkst, dass sich dein Herzschlag beruhigt.
Integration in den Notfallkoffer
- Physischer Anker: Lege eine kleine Karte in deinen analogen Koffer mit der Aufschrift: „Puste die Überlastung sanft weg – Lippenbremse“.
- Digitaler Impuls: Speichere ein Bild oder eine kurze Notiz mit der Formel „2 Sekunden Nase – 4 Sekunden Lippen“ auf deinem Handy.
- Validierung: Erinnere dich daran: Diese Technik ist kein „Muss“, sondern eine Einladung an deinen Körper, wieder Sicherheit zu finden.
Alltagsrelevanz
Die Lippenbremse ist unsichtbar. Du kannst sie in der Schlange im Supermarkt, in einem schwierigen Gespräch oder im lauten Großraumbüro anwenden, um in Balance finden, ohne dass es anderen auffällt.
Wichtiger Hinweis
Für manche Menschen können Atemtechniken unangenehm sein oder sogar bedrohliche Gefühle hervorrufen. Probiere bitte vorsichtig aus, ob dir die Lippenbremse gut tut. Und wenn nicht, kannst du dir vielleicht eine andere Technik aussuchen.